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<title>Dammschnitt</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Dammschnitt</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p>Ein <b>Dammschnitt</b> (oder eine <b>Episiotomie</b>, auch <b>Scheidendammschnitt</b> oder <b>Perineotomie</b> genannt) ist das Einschneiden des <a href="Perineum" title="Perineum">Dammes</a> in Richtung After der Frau oder anderer weiblicher Säugetiere bei der <a href="Geburt" title="Geburt">Geburt</a>, um die Geburtsdauer gegen Ende der <a href="Geburt#Natürliche_Geburt" title="Geburt">vaginalen Entbindung</a> zu verkürzen und damit der Gefahr der <a href="Asphyxie" title="Asphyxie">Asphyxie</a> des <a href="Fetus" class="mw-redirect" title="Fetus">Ungeborenen</a> zu begegnen, beispielsweise im Falle einer <a href="Stei%C3%9Fgeburt" class="mw-redirect" title="Steißgeburt">Steißgeburt</a>, sowie zur Vermeidung einer drohenden Hautzerreißung. Dammschnitte werden üblicherweise während einer <a href="Wehe" title="Wehe">Presswehe</a> mit einer Schere gesetzt. Bei der vorausgehenden Presswehe kann ein <a href="Lokalan%C3%A4sthetikum" title="Lokalanästhetikum">Lokalanästhetikum</a> <a href="Injektion_(Medizin)" class="mw-redirect" title="Injektion (Medizin)">injiziert</a> werden, so dass die Frau den Schnitt nicht spürt. Die Wunde wird nach der Geburt unter <a href="Lokalan%C3%A4sthesie" title="Lokalanästhesie">örtlicher Betäubung</a> genäht. Ein Dammschnitt ohne medizinische Indikation („Routinedammschnitt“) ist nicht angezeigt, da er keinen Nutzen für die Gebärende bringt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Indikationen">Indikationen</h2></div>
<p>Ein Dammschnitt wird als geboten angesehen, um einen langen Geburtsvorgang zu verkürzen, beispielsweise im Falle einer Steißgeburt, einer <a href="Schulterdystokie" title="Schulterdystokie">Schulterdystokie</a> oder bei vaginal-operativen Geburten wie <a href="Vakuumextraktion" title="Vakuumextraktion">Vakuum-</a> oder <a href="Zangengeburt" class="mw-redirect" title="Zangengeburt">Zangengeburt</a>. Medizinische Gründe sind eine drohende <a href="Asphyxie" title="Asphyxie">Erstickung</a> des Kindes. Im Bedarfsfall kann man den Schnitt auch ohne Gefahr für den Schließmuskel am After verlängern. Ob er bei einem straffen Damm zur Schonung des Kindskopfes bei Frühgeburten von Nutzen ist, muss individuell entschieden werden. Eine zwingende Indikation seitens der Mutter gibt es nicht.<sup id="cite_ref-Kainer882_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Kainer882-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei <a href="Weibliche_Genitalverst%C3%BCmmelung" title="Weibliche Genitalverstümmelung">Genitalverstümmelungen</a> mit nicht dehnbaren Vernarbungen kann sie aber angezeigt sein.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ausführung"><span id="Ausf.C3.BChrung"></span>Ausführung</h2></div>
<p>Dammschnitte werden in drei verschiedene Richtungen ausgeführt:<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ul><li>Die <i>medianen Episiotomie</i> wird entlang der Mittellinie, der <a href="Raphe_perinei" title="Raphe perinei">Raphe perinei</a> (<a href="Perineum" title="Perineum">Perineum</a>) auf den <a href="Anus" title="Anus">After</a> zu geschnitten. Die Wunde hat gegenüber den anderen Varianten die besten Heilungsaussichten. Es kann jedoch vorkommen, dass bei einer weiteren Überdehnung der Schnitt zum <a href="Anus" title="Anus">After</a> weiterreißt, was zu <a href="Stuhlinkontinenz" title="Stuhlinkontinenz">Inkontinenz</a> führen kann.</li>
<li>Die <i>mediolaterale Episiotomie</i> wird ausgehend vom Mittelpunkt im 45°-Winkel vorgenommen und kann wegen der fehlenden Begrenzung durch den After länger geführt werden, was zu einem höheren Raumgewinn führt.</li>
<li>Die <i>laterale Episiotomie</i> wird im 45°-Winkel ausgeführt, jedoch etwa 2 cm von der Mitte versetzt. Wegen der erheblichen Zerstörung umgebenden Gewebes und langer, schmerzhafter Heilung wird diese nicht mehr durchgeführt.</li></ul>
<p>Abwandlungen sind der <i>Schuchardt-Schnitt</i>, eine Verlängerung der mediolateralen oder lateralen Episiotomie mit Verletzung des <a href="Musculus_transversus_perinei_profundus" title="Musculus transversus perinei profundus">Musculus transversus perinei profundus</a> und <a href="Musculus_levator_ani" title="Musculus levator ani">levator ani</a> sowie die <i>Perineotomie</i>, eine Verlängerung der medianen Episiotomie mit Durchtrennen des <a href="Musculus_sphincter_ani_externus" title="Musculus sphincter ani externus">Musculus sphincter ani</a> und der <a href="Schleimhaut" title="Schleimhaut">Schleimhaut</a> des <a href="Mastdarm" title="Mastdarm">Mastdarms</a>.<sup id="cite_ref-Kainer882_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-Kainer882-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Vor-_und_Nachteile">Vor- und Nachteile</h2></div>
<p>Ein Dammschnitt bei medizinischer Indikation kann Schäden des Kindes durch Sauerstoffmangel, Deformationen des Schädels oder Überdehnungen der Halswirbelsäule verhindern.<sup id="cite_ref-Kainer882_1-2" class="reference"><a href="#cite_note-Kainer882-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ein Nutzen eines „Routinedammschnittes“, also eine Dammschnitts ohne zwingende medizinische Indikation, für die Mutter konnte nicht nachgewiesen werden. Die WHO sieht keine Rechtfertigung für einen routinemäßig durchgeführten Dammschnitt. Nach kritischen Reviews gibt es keine Belege, dass ein Routinedammschnitt die Häufigkeit von Beschwerden nach der Geburt verringern kann. Dagegen wird auf den Nachteil hingewiesen, dass bei nicht durchgeführter Episiotomie unter Umständen überhaupt keine oder nur geringere Geburtsverletzungen aufgetreten wären.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die mediane Episiotomie kann sogar zur Zunahme höhergradiger Dammrisse führen. Daher hat die Anzahl der Dammschnitte von 90 % auf mittlerweile nur noch 8 bis 30 % der Geburten deutlich abgenommen.<sup id="cite_ref-Kainer882_1-3" class="reference"><a href="#cite_note-Kainer882-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Dammschnitt" class="extiw external" title="wikt:Dammschnitt">Wiktionary: Dammschnitt</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li>WHO, Regional Office for Europe: <i>Joint Interregional Conference on Appropriate Technology for Birth.</i> <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.weikert.de/alexandra/who1.html">(Link)</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-Kainer882-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Kainer882_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Kainer882_1-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Kainer882_1-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Kainer882_1-3">d</a></sup></span> <span class="reference-text">Franz Kainer: <i>Facharztwissen Geburtsmedizin</i>. 4. Auflage. Elsevier Health Sciences, 2021, ISBN 978-3-43705941-4, S. 882.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Sönke Müller: <i>Memorix Notfallmedizin</i> (= <i>Memorix.</i>). 9., aktualisierte Auflage, Thieme, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-13-139939-7.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.nice.org.uk/guidance/cg190/chapter/Recommendations"><i>Intrapartum care for healthy women and babies | Guidance and guidelines | NICE.</i></a><span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 4. Februar 2019</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ADammschnitt&rft.title=Intrapartum+care+for+healthy+women+and+babies+%7C+Guidance+and+guidelines+%7C+NICE&rft.description=Intrapartum+care+for+healthy+women+and+babies+%7C+Guidance+and+guidelines+%7C+NICE&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.nice.org.uk%2Fguidance%2Fcg190%2Fchapter%2FRecommendations"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Jörg Baltzer: <i>Praxis der Gynäkologie und Geburtshilfe: das komplette Praxiswissen in einem Band</i>. Georg Thieme Verlag, 2006, ISBN 978-3-13144261-1, S. 202.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Katherine E. Hartmann, Meera Viswanathan, Rachel T. Palmieri, Gerald Gartlehner, John M. Thorp, Kathleen N Lohr: <i>Outcomes of Routine Episiotomy.</i> In: <i><a href="Journal_of_the_American_Medical_Association" title="Journal of the American Medical Association">Journal of the American Medical Association</a>.</i> 2005, Band 293, Nummer 17, S. 2141 <a href="Digital_Object_Identifier" title="Digital Object Identifier">doi</a>:<span class="uri-handle" style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://doi.org/10.1001/jama.293.17.2141">10.1001/jama.293.17.2141</a></span>.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">C. Dannecker, C. Anthuber, H. Hepp: <cite style="font-style:italic">Die Episiotomie</cite>. In: <cite style="font-style:italic">Der Gynäkologe</cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>33</span>, <span style="white-space:nowrap">Nr.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>12</span>, 2000, <a href="Internationale_Standardnummer_f%C3%BCr_fortlaufende_Sammelwerke" title="Internationale Standardnummer für fortlaufende Sammelwerke">ISSN</a> <span style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://zdb-katalog.de/list.xhtml?t=iss%3D%220017-5994%22&key=cql">0017-5994</a></span>, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>864–871</span>, <a href="Digital_Object_Identifier" title="Digital Object Identifier">doi</a>:<span class="uri-handle" style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://doi.org/10.1007/s001290050655">10.1007/s001290050655</a></span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Dammschnitt&rft.atitle=Die+Episiotomie&rft.au=C.+Dannecker%2C+C.+Anthuber%2C+H.+Hepp&rft.date=2000&rft.doi=10.1007%2Fs001290050655&rft.genre=journal&rft.issn=0017-5994&rft.issue=12&rft.jtitle=Der+Gyn%C3%A4kologe&rft.pages=864-871&rft.volume=33" style="display:none"> </span></span>
</li>
</ol>
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Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient weder der Selbstdiagnose noch wird dadurch eine Diagnose durch einen Arzt ersetzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!</div>
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